Der Wald steckt voller kulinarischer Genüsse: Heidelbeerblätter, Fichtenspitzen, Sauerklee und Buchensprossen - das alles ist essbar und ein Genuss mit dem richtigen Rezept. Die Wälder des Kleinwalsertals sind eine üppige Vorratskammer und Inspiration für die sogenannte Waldküche.
In der Nähe von Stuttgart betreibt Müller Uli Stietz eine Getreidemühle in fünfter Generation. Auf seinen Feldern baut er Urgetreide wie Dinkel und Schwarzen Emmer an und experimentiert in der Mühlenbackstube mit verschiedenen Brotsorten. Seine Tochter Thea, auch Müllerin, versorgt die Familie mit regionalen Gerichten: Spätzle, Brotaufstrich aus Grünkern oder "Käsfüßle", ein herzhaftes Gebäck.
Julie-Lou ist Schäferin - in Paris. Der Bauernhof, den sie mit anderen Frauen betreibt, liegt mitten in der nördlichen Vorstadt. Regelmäßig überqueren die Frauen mit ihrer Herde mehrspurige Straßen und treiben ihre Schafe vorbei an langen Reihen von Hochhäusern zur nächsten Weide. Julie-Lou und ihre Freundinnen kämpfen für eine wilde Utopie: Landwirtschaft in der Großstadt. Auch hier soll es möglich sein, eigene Nahrungsmittel zu produzieren. In ihrer Küche verwerten sie ihre Produkte und dort spiegelt sich auch die spannende Mischung der französischen Hauptstadt: Einflüsse aus aller Welt und Zutaten aus der Region.
Moore bedecken knapp fünf Prozent der Gesamtfläche Lettlands. Sie sind äußerst klimafreundlich und beherbergen eine Vielzahl besonderer Pflanzen- und Tierarten. Als besonders gesund gilt die Moosbeere - auch Cranberry genannt. Irena Riezniece und ihre Familie bewirtschaften 14 Hektar Moor, auf der sie die roten Beeren anbauen und zu Gelees und Säften verarbeiten.
Ein Kuchen ohne Zucker - kein Problem! Auf der griechischen Insel Euböa bauen Janna und Vangelis Karama Feigen an. Daraus stellen sie auch Petimezi her, Feigensirup - als Zuckerersatz. Im Spätsommer ist Erntezeit. Aus den Früchten ihrer Bäume bereiten sie traditionelle und neue Gerichte zu: Schwein mit Feigen, Feigen im Speckmantel, Kuchen oder auch Chutney.
In der Gebirgsregion Alpujarras im Süden Spaniens versuchen einige Pioniere, ihre Heimat mit einem alten Kraut wiederzubeleben: Juan Peña baut auf den steilen Hängen der Sierra Nevada Hanf an.
In Zentralportugal haben zwei ehemalige Ordensschwestern einen Ort der Begegnung geschaffen. Das Herzstück ist ihr Garten für Permakultur. Margarida Monteiro und Eduarda Barbosa gehen schonend mit der Erde um. Im September kommen Bohnen, Kohl und Kürbis auf den Tisch. Die Küche der Schwestern ist einfach, aber nahrhaft. Einmal in der Woche backen sie selbst Brot für sich und ihre Freunde und Freundinnen.
Wenn die Brüder Andrea und Salvatore Manno das frische Olivenöl der neuen Saison probieren, sieht es aus wie bei einer Weindegustation. Im Oktober werden die noch nicht ganz ausgereiften Früchte zu dem sogenannten Frühöl gepresst. Salvatore kocht damit Caponata, ein süßsaures Gemüsegericht mit Auberginen, und Arancini, kross frittierte Reisbällchen mit verschiedenen Füllungen.
Der Honig, den Franca Corda und Renzo Cosseddu von den Wabenwänden ihrer Bienenstöcke schneiden, ist etwas Besonderes. Er wird im Spätherbst und Winter geerntet, wenn die Arbutus-Bäume in der Gallura im Nordosten Sardiniens blühen. Der bittere Honig (miele amaro) versüßt manches Gericht, so Seadas - mit sardischem Peretta-Käse gefüllte Teigtaschen - oder Niuleddi, Mandelkekse.
Die spanische Stadt Zamora begeht die Karwoche vor Ostern mit zahlreichen Prozessionen. Tausende Menschen ziehen dabei durch das alte, malerische Städtchen. Da Fleisch in dieser Zeit tabu ist, gibt es Fischgerichte wie Bacalao a la Tranca - geschichteter Kabeljau - oder den Fasteneintopf Potaje de Vigilia. Außerdem viel stärkendes Gebäck wie die knusprig frittierten, kastilischen ‚Blumen', die Florones Castellanos.
Bei den drei Brüdern Finn und Steff Smith, sowie Jack Cunliffe dreht sich alles ums Essen: Die Region Snowdonia im Nordwesten von Wales ist für den Anbau von Lauch bekannt. Das Gemüse wird jüngst als Superfood gefeiert. Der 31-jährige Finn Smith ist gelernter Bäcker und versorgt die Familie mit Sauerteigbrot, aus dem er auch "Welsh Rarebit" mit viel Lauch und Käse herstellt. Sein Bruder, der 29- jährige Steff überrascht die Familie mit einem Superfood-Brunch: Lauchfritters mit "Laver Bread", einer Paste aus Seegras, sowie einem pochierten Ei.
Der Stollen ist in Sachsen eine Art Nationalheiligtum. Er gehört zum Weihnachtsfest dazu, genauso wie die Kartoffelsuppe und der Kartoffelsalat. Die junge Dresdenerin Marianne Van Aertryck ist Ernährungsberaterin und bäckt zum ersten Mal einen veganen Stollen. Für den Dresdner Bäckermeister Frank Gehre ist ein Stollen ohne Butter kein Original. Er ist sogenannter "Stollenprüfer", das sind die Hüter von Tradition und Qualität des weltberühmten Gebäcks.